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Ferienhäuser im Piemont, Italien

Langhe | Roero | Monferrato

In Love of Barbaresco

barbaresco

 (By John Cochrane from Australia)

(Ubersetzen von Sabine Christodoulou)

Wie Ihnen sicher bekannt ist, umfasst das Langhe Tal in Piemont (auf Italienisch Langa) die berühmten Herkunftsbezeichnungen Barolo und Barbaresco....

Sobald ich mich einmal mit Barbaresco bekannt gemacht hatte, was erst bei meinem zweiten Aufenthalt dort geschah, verliebte ich mich Hals über Kopf in die Region und ihre Weine.

Unsere Beziehung hat sich mittlerweile von Lust und Verliebtheit zu dem Punkt entwickelt, an dem ich zu einer ernsthaften Bindung bereit bin!

Was allein die Schönheit dieser Landschaft betrifft, so kann ich sie mit meiner Kameralinse ganz einfach nicht einfangen – vielleicht würde es einem Berufsfotografen gelingen, aber meine Versuche werden ihr nicht gerecht.

Ich bin in vielen Weingebieten gewesen und habe noch keines gesehen, das auch nur annährend dem Vergleich mit Barbaresco und Barolo standhält. Und für mich ist Barbaresco die wahrhaft schöne Schwester.

Doch Schönheit ist solch ein oberflächliches Attribut. Lassen Sie uns tiefer gehen und mit dem Gesellschaftsleben beginnen.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel hier los ist.
Die Einheimischen haben ein Talent zum Feiern. Es ist einfach fantastisch.
Alle Dörfer (und abgesehen von den 13 Weindörfern, die ich bereits erwähnt habe, gibt es noch viele andere) organisieren jeden Sommer mindestens ein Weinfest.

Und selbstverständlich gehen die Leute von einem Dorf auf die Weinfeste der andern Dörfer.

Es gibt private oder öffentliche Weinfeste. Offizielle Weinfeste sind oft kommunal, mit andern Worten, sie werden von der Gemeinde gehalten und sind kommerziell. Manche sind familienorientiert, andere sind es nicht.

Bei einem Weinfest gibt es immer etwas zu essen, Wein, Musik und Tanz. Und all dies zusätzlich zu den ständigen Lokalen, wo die Einheimischen sich häufig treffen, um sich zu unterhalten, etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen.

Es ist den Einheimischen ganz gleich, in welcher Form gefeiert wird – Dabeisein ist alles!

Und dann gibt es natürlich die regionalen Spezialitäten.

Es gibt hier unzählige Restaurants. Und Bars, Trattorias, Osterias, Cafés, Bistros, spezialisierte Wein Bars und so weiter. Und alle können sich mit einheimischer Kundschaft halten. Was bedeutet, dass sie gut sind. Und sie sind ausgezeichnet.

Die Einheimischen sind außerordentlich stolz auf ihre Spezialitäten. Und das ist vollkommen berechtigt. Die Region ein gastronomisches Paradies.

Und die Bedienung ist immer ausgezeichnet und dazu noch freundlich. Man braucht sich auch nicht einmal feinzumachen.

Zwischen Barolo und Barbaresco liegt die ‚Großstadt‘ – Alba, mit einer Bevölkerung von etwa 33 000 (In den Dörfern liegt die Einwohnerzahl zwischen ein paar Hundert oder sogar weniger bis zu maximal 2000.)

Alba und seine Weißen Trüffel

Alba ist eine wundervolle Kleinstadt, wo man so ziemlich alles bekommt, was man braucht, und wo man erstaunlich gut einkaufen kann. Alles ist leicht erreichbar und Parken ist selten ein Problem. Alba hat eine wunderbare Atmosphäre, obwohl es kaum historische Sehenswürdigkeiten für Touristen gibt. Alte Straßen mit Kopfsteinpflaster sind jetzt für Fußgänger reserviert, und es gibt zahlreiche Cafés und Bars, wo man draußen sitzen kann; jeden Samstag ist Markttag.

Alba verdankt seinen Ruhm der Tatsache, dass es das Herzstück des italienischen Marktes für weiße Trüffel ist. Bei einem Preis von mehr als 2000 australischen Dollar pro Kilo gehören sie mit Kaviar und Safran zu den drei teuersten Lebensmitteln der Welt.

Die Saison liegt zwischen Oktober und November. Ich würde zu gerne einen verfrühten weißen Trüffel finden, bevor ich am 22. September nach Hause muss. Bis jetzt habe ich mich mit den wesentlich billigeren schwarzen Sommertrüffeln zufrieden gegeben. Aber nächstes Jahr werde ich länger bleiben und sicherstellen, dass ich auch ein paar weiße Trüffel finde!

Abgesehen von weißen Trüffeln sind Lebensmittel hier lächerlich billig.

Gestern habe ich vorzügliche frische Tomaten, Auberginen, Gurken, Zucchiniblüten, Pfirsiche, Nektarinen, Himbeeren, Blaubeeren,…zu einem Preis gekauft, der zwischen 10% und 30% von dem betrug, was ich in Perth dafür bezahlen müsste.
Und dann ist da der Wein, für den die beiden Regionen berechtigterweise so berühmt sind. Ich werde Sie nicht mit einer Abhandlung darüber langweilen. Ich möchte lediglich erwähnen, dass ich eine ganze Palette davon mit nach Hause nehme – etwa 500 – 600 Flaschen.

Interessanterweise wird hier mit Alkohol immer eine Kleinigkeit zu essen serviert. Wenn man ein Glas Bier oder Wein bestellt, gibt es auch etwas zu knabbern dazu. Und man sieht hier sehr selten Betrunkene. Ich frage mich, ob da ein Zusammenhang besteht.
Die Bewohner der Langa

Doch bei weitem die größte Attraktion sind die wundervollen Menschen, die mir hier begegnet sind. Letztes Jahr habe ich nur ein paar Tage in Barbaresco verbracht, dies ist also mein erstes richtiges Jahr hier. Nach lediglich 5 – 6 Wochen hatte ich hier mehr einheimische Freunde, die auch viel kontaktfreudiger und lebhafter sind als die Leute, die ich in dem kleinen französischen Dorf kennengelernt habe, wo ich seit sechs Jahren einen Monat Urlaub mache. Die Menschen hier sind sehr gastfreundlich, lachen, essen und tanzen gerne und sind sehr großzügig. Und wenn man sich erkenntlich zeigt, erhöhen sie den Einsatz. Ich habe bereits so viel Freundlichkeit und Großzügigkeit erfahren, obwohl ich gerade erst angekommen bin. Meine jüngste Erfahrung dieser Art liegt zwei Tage zurück.

Ich beschloss, am Abend in eines der vielen Restaurants in einer 5 Kilometer entfernten Stadt namens Neive essen zu gehen, anstatt selbst zu kochen.

Ich scheute vor den Eselswangen auf der Speisekarte zurück und bestellte Radicchio Ravioli und eine Kalbshaxe. (Man versicherte mir später, dass Esel sehr lecker ist, und ich habe es probiert. Es ist wahr!)

Dann suchte ich mir eine sehr gute Flasche Wein für 40 Euro bzw. A$60 aus.

Bald danach betrat ein junger Mann das Restaurant und ließ sich am anderen Ende des Raumes nieder. Es war drinnen sehr leer, weil die meisten Leute lieber draußen saßen (Ich mag das nicht, wegen der Stechmücken und den vielen anderen Insekten, mit denen man dort zu tun hat).
Als dem jungen Mann Ravioli serviert wurden, spießte er jeden Bissen so fest und schnell mit der Gabel auf, als sei sein Teller ein gefährliches Nest giftiger Spinnen, die er so schnell wie möglich erstechen und verschlingen musste.

Wirklich komisch.

Wie dem auch sei, als der Eigentümer das nächste Mal vorbeikam, fragte ich ihn, ob der junge Mann wohl ein Glas von meinem Wein probieren wolle. Er sah mich erstaunt an, aber ich erklärte, ich könne allein die ganze Flasche nicht bewältigen (das war geflunkert), woraufhin er es zu begreifen schien und meine Karaffe zu dem Raviolimörder hinübertrug, der inzwischen bei einem Glas Hauswein angekommen war, offenbar sehr zufrieden damit, der Bedrohung durch die giftigen Spinnen ein Ende gesetzt zu haben.

Er goss sich ein Glas ein und prostete mir zu. Dann wandte er sich wieder seiner Unterhaltung mit einem einheimischen Paar zu, das gerade angekommen war.

Als sie gegangen waren, gesellte er sich zu mir, und wir unterhielten uns so gut es ging (er spricht kein Englisch) etwa zwanzig Minuten lang. Er ist ein einheimischer Winzer, wie sich herausstellte, und leitet ebenfalls einen Agriturismo – eine Art Frühstückspension auf dem Land – nur etwa einen Kilometer von meiner Unterkunft entfernt. Ich bin in der Tat schon mehr als einmal auf meinem Morgenspaziergang daran vorbeigekommen.

Marco war sehr angenehme Gesellschaf und schien sehr froh darüber zu sein, dass wir uns dort getroffen und miteinander unterhalten hatten, und bevor er nach Hause ging, bat er den Besitzer, ihm eine Flasche seines eigenen Weins zu bringen, die er mir überreichte.

Hier sind alle Leute davon entzückt, dass ich ein wenig Italienisch spreche, und tragen mir meine Fehler nicht nach. Sie hören geduldig zu, wenn ich eine Geschichte erzähle und korrigieren mich unaufdringlich.
Es ist ausgeschlossen, sich nicht für sie zu erwärmen.

Ich bin einmal von einer Dame zum Abendessen eingeladen worden, die ich nicht einmal kannte (ich hatte versucht, über Air BNB ihr Häuschen zu mieten, aber sie teilte mir mit, dass es bereits vergeben sei. In derselben Nachricht fragte sie, ob ich vielleicht zum Abendessen kommen wollte! Ich nahm die Einladung an und verbrachte einen angeregten Abend mit etwa 20 ihrer Freunde). Ein anderes Mal erhielt ich teure Flaschen mit Spitzenweinen von zwei bekannten Weingütern, nachdem ich an einer ausgiebigen Weinprobe teilgenommen hatte und noch nicht einmal Wein gekauft hatte. Letzten Mittwoch machte ich eine Weinprobe bei einer weltbekannten Barolowinzerin mit 7 oder 8 ihrer anderen Kunden. Als sie mich hinausbegleitete, sagte sie, wie leid es ihr tue, dass wir uns wegen der vielen anderen Gäste nicht mehr unterhalten konnten und wollte mich nochmals einladen, damit das möglich wäre. Und es gibt noch viele Beispiele dieser Art.

All dies mag sich übertrieben euphorisch und begeistert anhören, aber so fühle ich mich gar nicht.

Ich fühle mich ruhig, friedlich und zufrieden.

Das Wetter ist Mitte September ideal. Jeden Tag wird es höchstens 30 – 35 Grad warm. Es ist sonnig und oft weht eine leichte, erfrischende Brise. Am Abend und früh morgens ist es kühl und alle sind guter Laune, weil dies das perfekte Wetter für einen guten Jahrgang ist, und die Lese hat gerade begonnen. In manchen Weinbergen wird 14 Stunden pro Tag an allen sieben Wochentagen gelesen, damit alle Trauben geerntet sind, bevor das Wetter umschlägt und es plötzlich Hagel gibt, der alles zerstören kann, wie es hier so oft passiert.

Es ist bukolische Seligkeit, in dieser friedlichen Gegend am Schwimmbecken zu sitzen, mit Blick auf berühmte, wohlgepflegte Weinberge in sanfter Hügellandschaft, ab und zu interpunktiert von einem Piemontesischen Bauernhaus und dem Dorf Barbaresco mit seinem mittelalterlichen Turm am Horizont.

Es ist nicht aufregend oder bedarf irgendeines Bewegungsimpulses.

Es ist ganz einfach…perfekt.

Vollkommenes Glück.

La Dolce Vita.