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Nordlichen Piedmont

tenute sella

Eine rundreise in der heimat der reisfelder und des weines – Dem Nördlichen Piedmont

Es war wieder mal einer dieser Tage: wir hatten uns zu einer Weinprobe angemeldet, etwas, das Michael, Georgia, Claudia und ich in der Regel gerne zusammen machen....

An einem gewöhnlichen Tag würden wir uns dann zum Weinkeller unserer Wahl begeben, besagte Weinprobe machen, Wein kaufen, nach Hause fahren und dann entweder zusammen zu Mittag oder zu Abend essen. Am 5. Mai 2016 kam alles anders!
An jenem Tag rasten wir mit atemberaubender Formel 1 – Geschwindigkeit durch den dichten Verkehr in Biella, sowohl Claudia als auch Georgia und Michael der festen Überzeugung, dass ich ihrem kostbaren Leben kurzerhand ein Ende bereiten würde, und das lediglich zu dem Zweck, vor drei Uhr beim Ristorante Il Faggio (www.ristoranteilfaggio.it) einzutreffen, ein Restaurant, von dessen Existenz wir keine Ahnung hatten und wo wir keineswegs geplant hatten, zu Mittag zu essen.  
Was für ein Leben!

SELLA 0001

 

Das Ganze fing damit an, dass Michael & Georgia, unsere Freunde aus Deidesheim in Deutschland, ihr langes Maiwochenende in Ca Momplin verbrachten, nachdem sie ein oder zwei Wochen zuvor einen Zeitungsartikel über die Poderi Sella gelesen hatten (http://www.weinhalle.de/tenute-sella.html).

Bereits seit 1671, also lange vor meiner oder deiner Geburt, produziert die Poderi Sella Weine von außergewöhnlich hoher Qualität, und zwar in Lessona, Biella (www.tenutesella.it)im nördlichen Teil des Piedmont, anderthalb Autostunden von Ca’Momplin entfernt.
Wie Michael vorschlägt, fahren wir also um 10 Uhr in Ca Momplin los, damit wir pünktlich um halb zwölf bei Sellas ankommen. Über kurvenreiche Straßen und schmale Pfade geht die Fahrt, gefährlich nah an überfluteten Reisfeldern vorbei, weit und breit kein Weinberg in Sicht. Zwar türmen sich im Hintergrund die majestätischen schneebedeckten Alpen, aber unser Weg führt durchs Flachland, das von trügerischen Schlammfluten bedeckt ist: der Fahrer braucht nur den Bruchteil einer Sekunde nicht aufzupassen und wir müssen alle unweigerlich darin ertrinken! Man stelle sich bloß vor, wie unser Wagen (genauer gesagt: mein Wagen) langsam mit allen vier Insassen im Schlamm versinkt!
Wir hatten Hügelland erwartet: stattdessen fuhren wir auf gefährlichen Wegen durchs flache Land, und rings herum nichts als Wasser!

SELLA 002

 

Wie dem auch sei – es ist meiner Fahrkunst zu verdanken, dass wir rechtzeitig und sicher (wenn auch etwas zittrig) beim Landgut der Sellas eintrafen, das einige Meter oberhalb der Reisfelder gelegen ist, auf trockenem Terrain ganz ohne Wasser und mit gepflasterten Straßen. Am Gut werden wir von Marco Rizzetti begrüßt, dem CEO (das ist der Boss) der Poderi Sella und Gutsvorsteher in der 11. Generation, gemeinsam mit xxx, seiner xxx. Marco hat eine dreifache Aufgabe zu erfüllen: die Familientradition zu bewahren, die Weinberge in der Familie zu halten, und die Region zu einem Anziehungspunkt für Touristen zu machen: ein wahrhaft heroisches Werk.
Als erstes bietet uns Marco eine Besichtigungsfahrt zu den Weinbergen des Sella Gutes. Dazu ist ein Geländewagen unerlässlich. Wir fahren durch ein Waldgebiet, dann an schlanken Nebbiolo Reben vorbei, die auf dunklem, rötlichem Vulkanboden und Porphyr Gestein wachsen. Der Blick ist atemberaubend: abwechselnd mit Waldstücken kleine Parzellen in enggesetzten Reihen an steilen Hängen, im Vordergrund bewässerte Reisfelder, schneegefleckte Alpen im Hintergrund: einfach fantastisch! So müssen die Barolo oder Barbaresco Regionen vor 100 Jahren ausgesehen haben (nur ohne Reisfelder, natürlich!)
Für die Art und Weise, wie hier der Weinbau betrieben wird, hat Marco eine besondere Bezeichnung: er nennt es “heroischen Weinbau”! Alle Arbeiten müssen ausnahmslos mit der Hand geleistet werden.
Der Besichtigung des Gutes folgt dann eine Probe der Poderi Sella Weine: dem weißen Doranda, dem Majoli Rose, dann die Rotweine angefangen beim Orbello (eine Mischung von Barbera, Nebbiolo und Vespolina Reben von jüngeren Stauden) zum Bramaterra (eine Mischung aus Nebbiolo, Vespolina und Croatina Reben) in einem Crescendo von Aromen und Geschmackseindrücken, die aus der Liebe zum Land geboren sind. Und all dies fachmännisch präsentiert mit den Erläuterungen von Paolo Benassi.
Wir waren begeistert!
Kurz vor der Weinprobe erwähnten wir Marco gegenüber, dass wir nicht wüssten, wo man hier gut zu Mittag essen könnte.
Marco: “Mögen Sie Käse?”
Wir im Chor: “Aber ja!”
Marco: “Ich werde Sie im Ristorante Il Faggio in zwanzig Minuten zu einer Käseprobe anmelden“ (An die zwanzig Minuten werden wir uns noch lange erinnern).
Wie zu erwarten dauerte die Weinprobe wesentlich länger als geplant, und als wir schließlich aus dem Weinkeller kamen, waren wir für die Käseprobe bereits eine ganze Stunde zu spät dran.
Um Zeit zu sparen, fährt Marco uns voraus: dies ist das bereits oben erwähnte Formel 1 Rennen durch Biella: eine Strecke, die normalerweise eine Stunde dauert, in zwanzig Minuten.
Der Besitzer des Ristorante “Il Faggio” ist Gigi Zanone, der echten Charme mit ausgezeichneten Kenntnissen der einheimischen Käsesorten vereint, und zudem auch noch das außergewöhnliche Geschick besitzt, den richtigen Koch zu finden.
Wir aßen also letzten Endes eine Vorspeise (super “carne cruda” für us und “fiori di zucca” für Claudia), als Hauptspeise eine Verkostung von “Agnolotti”, danach eine einheimische Käseplatte (Caseificio Rosso (http://www.caseificiorosso.it/en/): einfach köstlich! Es hat uns allen hervorragend geschmeckt.
Gigi will ebenfalls unbedingt die Entwicklung dieser Region fördern: er denkt dabei an Naturparks, Wildtiere, Bergtouren in die Alpen und regionale Erzeugnisse. UNSERE Zustimmung hat er jedenfalls: diese Region muss besser bekannt gemacht werden.
Die Rückfahrt war problemlos: wir vermieden die verräterischen Fluten der Reisfelder und fuhren stattdessen ganz gemächlichen Tempos (was ich so gemächlich nenne) durch das hügelige Monferrato und Moncalvo sicher nach Hause!
Unsern abenteuerlustigen Freunden können wir nur empfehlen, es uns gleich zu tun und einmal diese Fahrt zu machen.